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Wird Sentiment Analysis Produkt-Reviews vereinfachen?

3 Minuten Lesezeit | Stimmungen und Meinungen sind wichtig. Viele Firmen sammeln diese Informationen ihrer Kunden und werten sie aus. Produkt-Reviews sind seit jeher ein wichtiger Forschungsgegenstand der Sentiment Analysis. Bisher hat es aber noch kein System geschafft, Produkt-Reviews so aufzuarbeiten, dass das Lesen Spaß macht.

Sentiment Analysis beschreibt die Extraktion von Stimmungen aus beispielsweise Texten. Die ersten AnsÀtze beschrÀnkten sich auf einen Dictionary-Ansatz, bei dem hinter jedem Wort ein bestimmter Sentiment-Wert lag, deren Summe am Ende berechnet wurde (positiv oder negativ). Um mehr textuellen Kontext aus den Worten und Phrasen zu bekommen, wurden N-Gram-Modelle genutzt. Damit konnte man beispielsweise Verneinungen und Phrase detektieren. Der aktuelle State-of-the-Art arbeitet mit Deep Learning Netzen (Beispiel: A Deep Neural Architecture for Sentence-level Sentiment Classification in Twitter Social Networking).

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Beste Pro vs. Contra Bewertung des Buches “Homo Deus“. Quelle: amazon.com

Dadurch wird die Sentiment Analysis immer robuster. Es ergeben sich viele Anwendungsfelder, die vorher nicht möglich waren. Ein spannendes Feld sind Produkt-Reviews. Jeder kennt es, jeder hasst es. Produkt-Reviews sind meist nach Sternen sortiert. Trotzdem können die Texte der Reviews einen positiven sowie negativen Teil enthalten. Will man verstehen, warum eine Sternebewertung zustande kommt, muss man den kompletten Text lesen.

Die Lösung: EingefĂ€rbte Textstellen (positiv / negativ) wĂŒrden das Lesen und Reviews vereinfachen und schnellere Kaufentscheidungen forcieren. Es hĂ€tte also einen positiven Effekt fĂŒr den KĂ€ufer sowie den HĂ€ndler.

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Ein spannendes Review (Homo Deus) das von vielen Usern sicher ungelesen bleibt. Quelle: amazon.com

FĂŒr wen lohnt es sich?

Von farblich aufgearbeitete Reviews könnten alle Akteure profitieren:

  • Plattformbetreiber – Reviewer können weiterhin ausfĂŒhrliche Reviews schreiben, denn diese werden fĂŒr sie aufgearbeitet. Es wird also mehr AktivitĂ€t erzeugt.
  • Reviewer – Können sich auf den Inhalt konzentrieren, das die Formatierung fĂŒr sie erledigt wird. Da mehr Leute ihre ausfĂŒhrlichen Reviews lesen, werden sie dadurch beflĂŒgelt, mehr Content zu liefern.
  • HĂ€ndler – Kriegt die Reviews fĂŒr sein Produkt besser aufgearbeitet und kann gegensteuern bzw. besser an den die Kontrapunkten seines Produktes arbeiten.





Blut geleckt?

Du hast Blut geleckt und willst dich mit Sentiment Analysis beschÀftigen. Hier zeigen wir dir, was du tun must:

  1. Lies diesen Artikel 😉 der Klassiker (hier)
  2. Schau dir die Demo an und beschÀftige dich mit den Dokumenten (hier)
  3. Videos, Videos, Videos! Dan Jurafsky und Chris Manning auf Youtube (hier)
  4. Was ist State of the Art? Wir sagen es euch im Science Radar

Maschinenmenschen – Wenn Technik unter die Haut geht

Das Thema Cyborgs gewinnt in unserem Zeitalter des Body-Enhancement immer mehr Bedeutung. Aber was bedeutet eigentlich der Begriff Cyborg? Er ist nicht umfassend definiert und genau deshalb ist es auch so spannend, sich damit zu befassen. Chips oder Magnete unter die Haut implementieren – das definiert zumindest eine Subströmung der Cyborgs. Das Deutsche Hygienemuseum Dresden zeigte dazu am 26.01.2017 den Film “Maschinenmenschen – Wenn Technik unter die Haut geht”  noch vor der TV-Premiere am 31.01.2017 im ARD. Die dazugehörige Veranstaltung mit einer nachfolgenden Podiumsdiskussion nannte sich: “Cyborgs – Leben jenseits natĂŒrlicher BeschrĂ€nkung”.

Neil Harbisson (Quelle: Wikipedia)

Neil Harbisson (Quelle: Wikipedia)

Der Film von Luisa Wawrzinek zeigt einige Protagonisten mit ihrem Begehren, sich durch Prothesen und Chips das Leben zu vereinfachen. Dabei werden verschiedene Level dieser Verbesserung beleuchtet. Neil Harbisson zum Beispiel ist seit der Geburt blind. Er kann durch eine Antenne Farben hören. Die Antenne die er am Kopf trĂ€gt, macht Farben fĂŒr ihn hörbar. So hat fĂŒr ihn beispielsweise jedes Gesicht eines Menschen einen einmaligen Tonabdruck. Andere Protagonisten des Films haben wiederum einfach nur einen avantgardistischen Anspruch an sich selbst. Sie fordern ihr TechnikverstĂ€ndnis heraus uns versuchen, die Zentralverriegelung des Autos mit einem Chip unter der Haut zu öffnen. Oder sie denken sogar daran, einen WLAN-Router in ein kĂŒnstliches HĂŒftgelenk einzubauen.




Nach der VorfĂŒhrung des Films folgte eine Diskussionsrunde mit dem Arbeits- und Organisationspsychologen Prof. Dr. Bertold Meyer (der selbst mit nur einem Arm geboren wurde und eine hochtechnische Prothese trĂ€gt), der TĂ€towiererin Hika Kiekenupp (die aus Menschen Cyborgs macht), Dr. Dierk Spreen (Soziologe und Experte), dem Moderator Alexander KrĂŒtzfeldt sowie der Regisseurin des Films Luisa Wawrzinek. Als die Diskussion nach der Vorstellung aller Teilnehmer eröffnet wurde, stellte Bertold Meyer klar, dass man die Norm bzw. die Normale verorten muss, wenn man sie verbessern oder erweitert sehen will. Er unterscheidet prinzipiell zwischen einer statistischen Norm (einer natĂŒrlichen Norm) und einer medialen Norm. Dabei bezog er sich vor allem auf Behinderungen und die Verbesserung des LebensgefĂŒhls sowie die Steigerung der LeistungsfĂ€higkeit durch verschiedene Enhancements des Körpers. Zusammen mit Hika Kiekenupp und Dierk Spreen stellten sie fest, dass die BrĂŒcke zwischen Schönheitsoperationen und Cyborgs, die sich einen Chip implantieren lassen, nicht sehr groß ist. Sie unterscheiden hier zwischen einem Ă€sthetischen Enhancement (bspw. VergrĂ¶ĂŸerung der BrĂŒste, Schönheitskorrekturen sowie -anpassungen) und einem funktionalem Enhancement (Implantieren von Chips). Außerdem stellen sie fest, dass auch beim Implementieren von Chips und weiteren cyborgartigen Erweiterungen am Körper, die Spielregeln des Kapitalismus gelten. Dabei gingen sie insbesondere auf die Frage ein, ob uns das Leben in einer cyborgartigen Welt menschlicher und besser machen wird. Es werden auch bei diesen Produkten MĂ€rkte um das Produkt gebaut und Erweiterungen angeboten werden. Aktuell ist die Technik, auch getrieben durch eine Avantgarde, noch sehr ideell. Außer dem Interesse des Anwenders, Anerkennung zu gewinnen und erste Erkenntnisse zu sammeln (Neugierde befriedigen), kann noch kein wirtschaftliches Interesse festgestellt werden. Es wird aber sicherlich kommen. Ein weiterer spannender Punkt in der Diskussion war eine Aussage aus dem Film, dass wir unsere Umwelt dann anders sowie besser wahrnehmen können. Es hieß sogar, dass aufgrund von Cyborg-Modulen das EmpathieverstĂ€ndnis des Menschen verstĂ€rkt wird. Eine offene Frage, die dann auch das Schlusswort bildete lautete: “Wir werden durch Technologie nicht menschlicher. Denn wenn es wirklich so wĂ€re, wĂŒrde die Menschlichkeit in der Technik liegen und nicht in uns.” Eher ist es nach Feststellung der Diskussionsrunde so, dass durch das krankhafte Effizienzdenken die Menschlichkeit verloren geht.




Der Film zeigt vornehmlich Avantgardisten auf dem Gebiet der Cyborgs. Auch der einzige Gegenpol in der Dokumentation, Bertold Meyer, ist eigentlich ein FĂŒrsprecher – jedoch und das betonte er mehrmals, nachdem die Menschen bereit dafĂŒr sind. Er fordert mehr AufklĂ€rung und Sensibilisierung fĂŒr das Thema sowie sinnvollere Anwendungen, fĂŒr die sich solche Eingriffe lohnen.

Am 30.01.2017 um 23:30 wird diese Dokumentation erstmals auf der ARD ausgestrahlt. (Link)