Tag: Moral

Was ist Transhumanismus?

Der Transhumanismus an sich vereint viele Strömungen verschiedener Gruppierungen mit diversen Zielen. Diese Beschreibung ist nicht besonders prĂ€zise, aber sie zeigt, was Transhumanismus ist – vielschichtig. Dieser Artikel verfolgt das Ziel, etwas Licht ins Dunkle zu bringen. DafĂŒr werde ich alle Eckpfeiler des Transhumanismus auflisten und kurz erklĂ€ren, wie sie sich in das Thema einfĂŒgen. pexels-photo-128969Bevor wir aber damit starten, will ich nur kurz erklĂ€ren, wie sich der Begriff zusammensetzt. NĂ€mlich aus:

  • Trans (lat. “ĂŒber” oder “hinaus”) und
  • Human (lat. “Mensch”).

Prinzipiell geht es darum, die Grenzen menschlicher Entwicklungsmöglichkeiten zu brechen und durch technische Optionen zu erweitern. Den Menschen “ĂŒbermenschlich” denken – fasst es wohl am besten zusammen. Wird Friedrich Nietzsche dadurch wieder salonfĂ€hig? Es wird jedenfalls diskutiert, inwiefern seine EinflĂŒsse der Philosophie des “Übermenschen” dem modernen transhumanistischen Gedanken Ă€hneln. Diese Richtung lĂ€sst sich in die folgenden Strömungen einteilen:

  • Singularitarianismus – Das Ziel ist die Transzendenz der menschlichen Spezies durch die Erschaffung einer Superintelligenz. Im Endeffekt reden wir hier von einer biologischen Unsterblichkeit, da das Individuum selbst in der Lage ist, sich kontinuierlich zu verbessern.
  • Demokratischer Transhumanismus – Diese Strömung ist die moderateste von allen. Die Aktivisten wollen den menschlichen Fortschritt mit unserem gegenwĂ€rtigen, in der westlichen Welt etablierten, politischen System zusammenfĂŒhren. Sozialdemokratie gemixt mit liberalerem Fortschrittsgedanken – so kann man den DT verstehen.
  • Extropianismus – Ihre AnhĂ€nger sind sehr radikal in ihren Theorien. Diese trĂ€gt starke posthumanistische ZĂŒge. FĂŒr sie gelten die 2 GrundsĂ€tze der Thermodynamik nicht – sie wollen keine Entropie, sie wollen Extropie. Vorallem aber richtet sich ihre Bewegung gegen Dekadenz, Alter, Tod und das damit einhergehende begrenzte jugendliche Leben. “Ewige Jugend und nur das nötigste zum Leben” – könnte der Leitspruch sein.

Diese Strömungen haben verschiedene Ziele. Die Eckpfeiler ihrer Theorien und Vorstellungen sind aber oftmals ziemlich identisch. Welche das sind, seht ihr hier:

  • Eugenik – Einer der schwierigsten Eckpfeiler im Transhumanismus ist unumstritten die Eugenik. WĂ€hrend in den frĂŒheren AusfĂŒhrungen der Eugenik oft durch Kastration oder Sterilisiation die Richtung vorgegeben werden sollte, basieren die neusten Methoden darauf, schon vor der Geburt durch gezielte Genmanipulation fĂŒr das Wohl des Individuums zu sorgen.
  • Prothesen / Exoskelette – Erweiterungen durch neue Körperteile und Körperextensionen, die dem Menschen helfen, verschiedene Aktionen verbessert auszufĂŒhren, als es ohne diese Prothesen oder Skelette möglich wĂ€re. Dazu zĂ€hlen auch Exoskelette die gesunde Menschen nutzen, um bspw. schwere GegenstĂ€nde zu heben oder um in Gefahrensituationen geschĂŒtzt zu sein.
  • Bioethik – Zur Bioethik gehört hauptsĂ€chlich der Umgang mit unserer Umwelt und Umgebung. Dieses Thema wird sehr wichtig. Denn wenn sich die Menschheit von der Umwelt immer weiter emanzipiert, wird der Umgang mit der Umwelt wieder zum Thema werden. Verschiedene AnsĂ€tze existieren dabei, die bekanntesten: Deontologische Ethik (Kant), Kommunitarismus, Individualismus (liberaler Ansatz) und der Utilitarismus.
  • Kryonik / Gentechnik – Mit dem “Einfrieren von Stammzellen” beschreibt man oft das als Kryonik bekannte Gebiet. Aber das ist noch lange nicht alles. Es geht dabei auch um das ZĂŒchten von Zellen. Dabei arbeitet man im Bereich des Tissue Engineerings daran, Gehirngewebe zu replizieren sowie zu konservieren.
  • Neuroethik – Die Neuroethik befasst sich in ihrem Kern mit Fragen wie: Freiheit, Wille, Selbstbewusstsein und Persönlichkeit. Ein Teilgebiet der angewandten Neuroethik beschĂ€ftigt sich aber auch mit Neuro-Enhancements. Diese Verbesserungen des Gehirns können chemischer sowie technischer Natur sein. Letztere interessiert die Transhumanisten natĂŒrlich am meisten. Kommen wir nun zu einem der wichtigsten Werkzeuge fĂŒr diese Enhancements.
  • Gehirn-Maschine-Interface – Hierbei geht es um eine Schnittstelle, die einen Computer mit dem Gehirn verbindet. Dabei können Backups gemacht werden, Analysen durchgefĂŒhrt oder Updates eingespielt werden. Jedes Individuum soll mittels einer Schnittstelle verschiedene FĂ€higkeiten erlernen können oder Erinnerungen sichern können.
  • clinic-doctor-health-hospitalNanotechnologie – Wird in vielen Szenarien benötigt, beispielsweise als kleine Roboter in der Medizin. Diese Technik soll verschiedene smarte Systeme zur VerfĂŒgung stellen, die uns den Alltag erleichtern.
  • Roboter / Agenten – Viele Aspekte des Transhumanismus lassen sich ĂŒberhaupt nur realisieren, wenn wir in unserer Umgebung eine Menge autonom arbeitende Systeme implementieren, die uns verschiedene Arbeiten abnehmen. Nur dann kommt unsere Zivilisation dazu, sich ein Upgrade zu verpassen.
  • Zukunftsforschung – Ein wichtiger Teil jeder Theorie bzw. Strömung im Bereich des Transhumanismus. Jede Theorie basiert auf einem Modell der Zukunft. Diese Modelle werden durch Roadmapping, Systemanalyse, Szenarienanalyse oder sogar mit der bekannten Methode 635 aufgestellt. Um die vorhin vorgestellten Strömungen in Tiefe zu begrĂŒnden, sind solche Betrachtungen nötig.





Diese Eckpfeiler sind die Voraussetzungen und StĂŒtzen dieser Theorien. Allerdings gibt es aus verschiedenen Lagern immer wieder Kritik am Thema Trans- bzw. Posthumanismus (beides sollte man trennen, hier werden allerdings beide Positionen zusammen betrachtet).  Diese Kritiken werden nachfolgend auch stichpunktartig aufgefĂŒhrt:

  • Kritik an der Existenz der Idee – Die Kritiker sprechen davon, dass es die Technologie fĂŒr dieses Konzept des Transhumanismus niemals geben wird.  Ihrer Meinung nach, ist die Menschheit nicht fĂ€hig dazu, alle Voraussetzungen zu schaffen.
  • Kritik an der Vorhersagbarkeit – Geht in die Ă€hnliche Richtung, wie die Kritik an der Existenz der Idee. Die Kritik wird allerdings um den Fakt erweitert, das die Zukunft schlecht vorhersagbar war, ist und sein wird. Transhumanistische Konzepte klingen zwar sehr einfach und offensichtlich, allerdings wissen wir, dass die Zukunft keineswegs so determiniert ist, wie sie in diversen KonzeptbĂŒchern zu finden ist.
  • Kritik an der fehlenden Moral – Die transhumanistische Avantgarde interessiert sich meist nur fĂŒr den technischen Fortschritt. Viele gesellschaftliche Aspekte wie Änderungen in der Politik, Gemeinwesen und Gesellschaft werden hĂ€ufig ausgeblendet. Im Transhumanismus steht der Mensch im Mittelpunkt. Oft erhebt er garnicht den Anspruch, sich mit solchen Themen zu beschĂ€ftigen – sollte er aber!

Das war der kleine Einstieg in das Thema Transhumanismus. Wenn euch der Artikel gefallen hat, teilt ihn doch in eurem Netzwerk. Das nĂ€chste Was ist …. ? wird sich mit dem Thema Technokratie befassen.

 

Unsere Leseempfehlung zu dem Thema

Stefan Lorenz Sorgner zeigt in seinem Buch Transhumanismus – “Die gefĂ€hrlichste Idee der Welt”, wie gefĂ€hrtlich diese Idee tatsĂ€chlich sein kann. Er beleuchtet philosophische Gesichtspunkte und grenzt sich in seinem Buch stark von der Idee des Posthumanismus ab.

Welche Enhancements sind sinnvoll? VerlÀngerung der Lebensspanne, VerstÀrkung von empathischem Verhalten oder aber gleich die Amputation von einem schlecht funktionierenden Körperteil? Diese Fragen bewertet der Auto in seinem Buch, das man gelesen haben sollte. Hier gehts zum Buch.

Die Moral des Autonomen Fahrens

Die drei MIT-Forscher Iyad Rahwan, Jean-Francois Bonnefon und Azim Shariff haben ein Online-Experiment gestartet, dass sich mit den Konsequenzen des autonomen Fahrens beschÀftigt. In ihrem Experiment entwerfen sie ein Szenario, in dem die Bremsen des Autos versagen.

Moral Machine. Quelle: moralmachine.mit.edu

Moral Machine. Quelle: moralmachine.mit.edu

Die User können dabei immer aus zwei Szenarien wĂ€hlen. Welches Übel wĂ€hlen sie dabei? Ist ihnen das Leben der Insassen oder das Leben der FußgĂ€nger mehr Wert? Wie verhĂ€lt es sich, wenn die FußgĂ€nger jĂŒnger bzw. Ă€lter sind?

Diese und weitere Fragen werden in diesem Experiment beantwortet. Am Ende des Experiments kann man seine eigenen Ergebnisse mit den Ergebnissen der bisherigen User (im Mittel) vergleichen.

Hier gehts zur Moral Machine.